DIE DEUTSCHLAND-ROUTE
 
Unsere Fahrt beginnt auf der Insel Rügen. Hier, wo man wunderbar Urlaub machen kann, baute sich Fürst Malte von Putbus eine ideale Stadt, natürlich komplett mit Theater (1821). Auf dem Festland wollte Herzog Adolf Friedrich IV. von Mecklenburg-Strelitz selbst in seiner Sommerfrische Neubrandenburg nicht ohne Theater sein und ließ sich 1797 ein Sommertheater errichten, ganz in Fachwerkbauweise. Das große Vorbild war Friedrich der Große, der sich vier Theater baute. Von diesen ist heute noch sein Privattheater (1769) im Neuen Palais von Potsdam-Sanssouci zu besichtigen.
Fahren wir weiter nach Süden, betreten wir Goethes Welt. Zuerst das Goethe-Theater in Bad Lauchstädt, nahe der Händel-Stadt Halle (Saale), das der Dichter 1802 selbst erbaute. Weiter geht es – vielleicht mit einem kleinen Umweg über Weimar – zum Liebhabertheater (1800) der Familie von Stein auf Schloss Kochberg. Und schließlich ins Schlosstheater von Gotha, ins Ekhof-Theater (1681/1775).
Von Gotha, dem Zentrum des deutschen Theaters im 18. Jahrhundert, zum Zentrum des deutschen Theaters im 19. Jahrhundert: Meiningen. Herzog Georg II., der Theaterherzog, schuf hier einen Theaterstil, der europaweit nachgeahmt wurde. Er spiegelt sich heute noch in den großen Bühnenbildern der Zeit, die original erhalten zu sehen sind.
Nicht weit davon, in Bayreuth, treffen wir auf eine Schwester Friedrichs des Großen, Markgräfin Wilhelmine. Sie wollte ihre Residenz aufwerten und ließ das prächtigste Theater nördlich der Alpen bauen, das Markgräfliche Opernhaus. 1748 wurde es eingeweiht, zur Hochzeit ihrer Tochter mit dem Herzog von Württemberg. Kaum hatten die jungen Leute ihre Sommerresidenz Ludwigsburg bezogen, ließen sie auch hier ein Theater einrichten (1758). Ihr Nachbar, Kurfürst Carl Theodor von der Pfalz, war schneller: Das Rokokotheater in seiner Sommerresidenz Schwetzingen stand schon 1752 bereit.
Ganz kaufmännisch dachte dagegen Erbprinz Wilhelm von Hessen-Kassel. Er befahl 1781 den Bau eines "Comoedien Hauses" bei Hanau, um damit Kurgäste in seinen neuen Kurort Wilhelmsbad zu locken. Ähnliches plante auch Fürstbischof Clemens Wenzeslaus in Koblenz, doch überließ er es aus finanziellen Gründen lieber einem Herrn Schmitz, 1787 ein Theater zu bauen und zu betreiben. So endet (oder beginnt) unsere Reise zu historischen Theatern in einem der ältesten Stadttheater Deutschlands.

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